Brötchen aus der Hölle

Heute morgen nach dem Training bin ich schnell in den kleinen Laden bei mir um die Ecke gehuscht und wollte kurz Milch und Brötchen (und Schokolade) kaufen.

Bei den Brötchen in der Schlange vor mir stand ein Mann mit schätzemal dreijährigem Sohn.

Er so zu mir: Haben Sie’s eilig?

Ich: Nö! (ich, immerhin frisch trainiert, stand da wie ’ne deutsche Eiche, die Ruhe in Person)

Er: Wirklich nicht?

Ich (völlig entspannt und cool wie Snoopy): Nein, wirklich nicht!

Ich hetze doch nicht rum, wie die militanten Renter morgens im Laden … da steh ich doch drüber!

Ich wette, mit meinem NÖ! habe ich dem Mann die Steilvorlage geliefert, mir mal so richtig schön eins reinzuwürgen. Ich wurde Zeugin einer hysterischen Brötchen-Slapstick-Nummer aus der Hölle.

Ein gefühltes Zeitalter später kannte ich jedenfalls acht neue Brötchensorten mitsamt ihrer Zutaten und deren Anbaugebieten. Die diversen Herstellungsverfahren von Klein-Broten wurden erläutert und diskutiert.

Außerdem war ich bestens informiert über die Präferenzen und Abneigungen des 3-Jährigen, der demokratisch erzogen wird und dem Mitspracherecht und Votum beim Brötchenkauf großzügigst eingeräumt wurden. Bei acht Brötchen und jeweils drei Urnengängen kann das schonmal dauern.

Der kleine Knirps entwickelte dann noch eine heftige Erkältung und musste mehrmals in einem umständlichen Ritual vom Vater geschneuzt werden. Der Vater, ein jovialer Mann, streute immer wieder kleine Anekdoten von zu Hause in die Konversation mit der Brötchenverkäuferin ein und klopfte sich dabei öfters auf die Schenkel. Der Brötchenverkäuferin lief ein Spucke-Faden aus dem Mundwinkel.

Mir waren zwischenzeitlich Hörner gewachsen, und aus meinen Nüstern kam Qualm.

Ich hatte ein sehr schlimmes Einkaufserlebnis und bin nun traumatisiert. Ich muss dringend shoppen gehen, um meine Erinnerung daran auszulöschen!