Morning Phase

fruehling

Nur mal fürs Protokoll: Es ist Mitte März, und die Sonne ballert so heftig auf meinen Balkon, dass man im T-Shirt schwitzt. Ich finde das großartig!

Ein klein bißchen Wehmut packt mich jetzt, wo die Tage wieder länger werden. Wenn ich morgens zum Training fahre, ist es draußen schon hell. Bislang war es so, dass ich morgens aus dem Bett gefallen bin – Katzenwäsche im Halbschlaf – meinen Kaffee im Schummerlicht getrunken habe und dann von der nächtlichen Dunkelheit umhüllt auf leeren Straßen zum Training gefahren bin.

Dort dann alles nach Plan, der gesamte Ablauf hoch konzentriert, langsam, um mich rum die anderen Trainierenden, die mir in ihrer Art vertraut sind und so früh morgens ebenso wenig Lust auf Interaktion haben wie ich. Keine Entscheidungen die zu treffen sind, keine Fragen die sich stellen. Außer vielleicht, ob ich heute mal die 10-Kilo-Hantel statt der 9 nehme. Angenehme Sicherheit, immer das gleiche Programm, nichts kommt dazwischen, keine Überraschungen … so bin ich in den letzten Monaten fast jeden Morgen sanft in den Tag gestartet.

Dass es jetzt morgens hell ist, ist irgendwie ein Bruch. Es stört den Zauber der morgendlichen Dösigkeit, wenn der Tag noch so schön unschuldig ist.

Stichwort „morgendliche Dösigkeit“: Das neue Album „Morning Phase“ von Beck, das ich hier neulich erwähnt habe, ist das schönste Album, das ich seit langem gehört habe. Es ist die Vertonung des Zustandes zwischen Nacht und Tag in all seinen Facetten – besser kann ich es nicht beschreiben. In den Kritiken ist die Rede von einem Meisterwerk.

Stell dir vor wie es klingen könnte, wenn du morgens in frisch bezogener Bettwäsche aufwachst, dir ein Sonnenstrahl die Nase kitzelt und du die Wahl zwischen nochmal einschlummern oder fröhlich in den Tag starten hast. So honigsüß, dass man es kaum aushält. Dann weißt du, wie das Album klingt. Es ist genial!