Mein erstes Runner’s High

Mit einem Kaffee bei Sonnenschein auf meinem Balkon zu sitzen – auf dem Sessel neben mir der Kater – ist so ziemlich das Schönste was es für mich gibt. Vor allem, nachdem mir der Kater in den letzten Wochen wieder viele Sorgen bereitet hat. Kurz vor Ostern hatte er wieder mal einen Abszess am Rücken, der unter Vollnarkose geschnitten werden musste. Das übliche Drama. Kurz danach wurde er kurzatmig und hat zunehmend geröchelt und geschnarcht, irgendwann waren die oberen Luftwege komplett mit Schleim zugesetzt. Ein ziemlich übler Schnupfen. Manchmal hatte ich Angst, dass er mir erstickt. Dank Antibiotika haben wir es wieder im Griff. Dazugelernt: Schnupfen bei Katzen ist eine ganz andere Hausnummer als beim Mensch.

Meine Atemwege dagegen danken mir die Zigaretten-Abstinenz sehr deutlich. Ich denke immernoch jeden Tag ans Rauchen und habe Lust zu rauchen, aber es zu lassen wird einfacher – viel einfacher. Ich brauche es nicht mehr. Die Gewichtszunahme war zwischenzeitlich bei über drei Kilo, hat sich jetzt aber bei zwei Kilo eingependelt, und das steht mir angeblich sogar gut. Ich muss aber auch sehr vier dafür tun. Seit zwei Wochen versuche ich meinen Schoko-Konsum stark einzuschränken, und mein Sport-Pensum ist erheblich. Ich mache fast jeden Tag Sport. Mittlerweile fahre ich auch Fahrrad. Nicht nur, weil ich nicht zunehmen möchte, sondern weil es einfach großen Spaß macht.

Denn: Meine Fitness ist vom Tag meiner letzten Zigarette an blitzartig hochgeschossen. Beim Krafttraining merke ich das kaum, aber wenn ich renne kann ich fast nicht glauben, was da passiert. Ich laufe Geschwindigkeiten, von denen ich vorher nicht zu träumen gewagt habe. Bei der Ausdauer ist nicht die Puste das limitierende Kriterium, sondern meistens, dass ich mal Pipi muss.

Blick über Kassel

Letztens hatte ich zum ersten Mal ein „echtes“ Runner’s High. Ich dachte ja zu wissen was das ist und meinte es sei das große Glücksgefühl, das sich gelegentlich beim Laufen einstellt. Weit gefehlt. Was ich neulich erlebt habe hatte mit einem „simplen“ Glücksgefühl wenig gemeinsam, es ging weit darüber hinaus.

Schwer zu beschreiben: Mein Blick ist mit einem Mal unscharf geworden, und ich habe die Landschaft in etwa so wahrgenommen, wie wenn die Enterprise in Lichtgeschwindigkeit  fliegt. Oder wie Schneeflocken im Scheinwerferlicht auf der Autobahn. Dazu habe ich meinen Körper nicht mehr gespürt … also nicht wirklich … schon gespürt, aber nicht „rennend“, sondern einfach nur „hier und jetzt“. Also ich – Körper – sein. Da sein und gleichzeitig „weg“ sein. Ein bisschen wie fliegen, ein bißchen wie schlafen, auf jeden Fall eine Art Trance. Ein Gefühl von präziser Perfektion, besser als Sex.

Ich konnte das Runner’s High bis jetzt einmal wiederholen. Es braucht scheinbar eine gewisse Leistung und Verfassung um in den Bereich zu kommen, wo es möglich ist. Als es kam, hatte ich eine gigantische Gänsehaut und konnte es leider nicht so lange aufrecht erhalten wie beim ersten Mal. Aber es ist toll zu wissen, dass es jetzt jederzeit wieder passieren kann.