Ein Abschiedsbrief

Wer sein Tier gut behandelt, hat eine echte Chance, bedingungslos geliebt zu werden. Der Preis, den man dafür zahlt, ist immens. Wer anfängt ein Tier zu lieben, schließt einen bösen Pakt mit dem Schmerz.

Ich erlebe diesen Schmerz seit vier Tagen. Wie kann man nur so viel weinen?

Lieber Ferris, du warst immer so scheu. Hast bei allen die in deine Nähe kamen so getan, als würden sie dich nicht interessieren. Du konntest richtig arschig sein. Und trotzdem haben in den letzten Tagen viele Menschen die mir nahe stehen um dich geweint. Vielleicht weil du so besonders warst. Vielleicht weil sie alle wissen, dass das mit uns beiden etwas Besonderes war. Mit jeder Träne, die andere um dich geweint haben, hast du mir über deinen Tod hinaus noch das Geschenk gemacht, dass ich deren Mitgefühl spüren durfte. Danke dafür.

Überall sind Spuren von dir. Das vollgekotzte Kissen auf dem Balkon, deine Fußtapsen auf meinem Schreibtisch, die Futternäpfe in der Küche. Ich bringe es nicht fertig, sie zu beseitigen. Heute habe ich ein Schnurrhaar von dir gefunden und habe es in eine kleine Schachtel gelegt. Mein Verstand hat schon begriffen, dass du nicht mehr bei mir bist. Mein Herz nicht.

Ich muss mich nun nicht mehr ständig um dich sorgen. Deine sieben Leben waren ja längst vor Jahren schon aufgebraucht. Jetzt spüre ich schon ganz leicht, dass eine neue Freiheit vor mir liegt. Ich wollte sie nicht, aber jetzt ist sie da. Mal wieder eine Reise machen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, da freue ich mich drauf.

Du warst das beste in meinem Leben. Das meine ich ernst. Jetzt ist es an mir, das beste aus meinem Leben zu machen, ohne jeden Tag meine Nase in deinem weichen Fell versenken zu können um dir so nahe wie möglich zu sein. Das ist verdammt hart.

Ich bin so dankbar, dass du in meinem Leben warst. Nie werde ich vergessen, wie viel du mir bedeutet hast!

Danke euch allen, die ihr mir in den letzten Tagen euer Verständnis und Mitgefühl entgegengebracht habt. Jedes eurer Worte hat mir geholfen!