Atmen, lachen, leben

Wenn jemand fragt wie es mir geht, sage ich – gut. Und ich meine das auch so. Oberflächlich gesehen ist alles bestens. Mein Alltag flutscht, ein Urlaub steht an, ich bin gesund und munter, mein Leben ist schön. Fast.

Ich habe ein neues Gefühl im Repertoire. Eins, das ich vorher nicht kannte. Es ist das bewusste Fehlen von Fröhlichkeit. Nicht, dass ich dauernd betrübt wäre – so ist das nicht. Es ist mehr so, dass meine fröhliche Grundstimmung, die mich schon immer wesentlich ausgemacht hat, Lücken bekommen hat. Sie ist phasenweise einfach weg. Stattdessen bin ich neutral, lebe, atme, tue Dinge, lache, aber nicht mit der Liebe und Leidenschaft wie ich das früher konnte.

Sobald andererseits etwas mein Herz berührt, trifft es mich anders als früher viel härter und heftiger, als ich es je erlebt habe. So empfinde ich einen Moment, der eigentlich leidenschaftlich schön ist, als schmerzhaft und fast unerträglich.

So wie neulich beim laufen. Ich renne bei schönstem Wetter durch die Dönche, meine Beine machen genau was sie sollen, ich habe Kraft und Puste und die beste Musik auf den Ohren. Die Bäume und Sträucher mit ihren prallen Äpfeln und knallroten Beeren biegen sich und strotzen vor Lebensfreude, und in mir tobt der Wunsch danach, vor Schmerzen zu schreien.

Es nervt mich.

Das ist wohl so, wenn man trauert, oder? Der Verstand hat nichts zu melden. Ich muss da durch …